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Warum die Kontrolle über digitale Prozesse für europäische Organisationen wichtig ist

Digitalisierung, Rechtswesen

Veröffentlicht von Martha Fauth

„Digitale Souveränität ist die Fähigkeit von Organisationen, die effektive Kontrolle über digitale Prozesse, Daten und Vertrauensentscheidungen während ihres gesamten Lebenszyklus zu behalten. Es geht nicht darum, Systeme zu isolieren oder internationale Anbieter zu meiden, sondern darum, durchsetzbare Transparenz und Governance auf allen rechtlichen, technischen und operativen Ebenen zu gewährleisten.“

Erhard Wiese, Vizepräsident Marktentwicklung Deutschland bei Scrive

Mit der zunehmenden Digitalisierung in Europa gewinnt die digitale Souveränität immer mehr an Bedeutung in Diskussionen um Cybersicherheit, Compliance und digitales Vertrauen. Viele Organisationen suchen daher nach praktischen Wegen, um von theoretischen Überlegungen zur Souveränität zur tatsächlichen Umsetzung überzugehen. Ein häufiger blinder Fleck vieler Organisationen ist die Diskrepanz zwischen formaler Compliance und realer operativer Kontrolle. Da digitale Lieferketten und Service-Ökosysteme über verschiedene Rechtsordnungen hinweg immer komplexer werden, gestaltet sich die Aufrechterhaltung von Transparenz und Aufsicht zunehmend schwieriger. „Vor diesem Hintergrund benötigen Organisationen Lösungen, die regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig ein nahtloses Kundenerlebnis bieten. Andernfalls leidet die Akzeptanz, und Unternehmen geraten in einen Konflikt zwischen Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit und vollständiger Compliance“, so Erhard Wiese .

Was digital souveräne Lösungen erfordern

Um digital souveräne Operationen zu unterstützen, muss Technologie Transparenz, Überprüfbarkeit und langfristige Flexibilität bieten. Zu den wichtigsten Anforderungen gehören:

  • Überprüfbare Sicherheitseigenschaften
  • Klare Datenresidenz- und Zugriffsmodelle
  • Kontinuierliche Prüfbarkeit, einschließlich Subunternehmer
  • Transparente Gerichtsbarkeit und rechtliche Verantwortlichkeit

Offene Standards und Interoperabilität sind ebenfalls unerlässlich. Sie ermöglichen es Organisationen, Systeme einfacher zu integrieren und eine langfristige Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu vermeiden. Definierte Ausstiegsstrategien sind besonders wichtig, um die strategische Flexibilität im Laufe der Zeit zu erhalten.

Überdenken von Sicherheit und Beschaffung

Digitale Souveränität lässt sich nicht einfach an Technologieanbieter delegieren. Organisationen müssen Vertrauensbeziehungen und Abhängigkeiten aktiv managen. Laut Erhard Wiese : „Souveränität lässt sich nicht auslagern. Sicherheitsverantwortliche müssen Abhängigkeiten und Vertrauensbeziehungen aktiv managen, anstatt Risiken lediglich zu dokumentieren. Auch Einkaufsteams spielen eine entscheidende Rolle. Kontrolle, Auditierbarkeit und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben sollten bei der Auswahl von Technologieanbietern als zentrale Sicherheitskriterien gelten.“ In vielen Organisationen ist der größte Wandel kultureller Natur. Bei Beschaffungsentscheidungen stehen oft Bequemlichkeit oder kurzfristige Effizienz im Vordergrund, während Resilienz und langfristige Kontrolle weniger Beachtung finden.

Die Herausforderungen für europäische Organisationen

Deutsche und europäische Organisationen stehen bei der Erreichung digitaler Souveränität vor mehreren strukturellen Herausforderungen. Dazu gehören fragmentierte Governance-Strukturen, veraltete Infrastrukturen und eine erhebliche Abhängigkeit von außereuropäischen Technologieanbietern. Auch regulatorische Bedenken gewinnen an Bedeutung. Viele regulierte Unternehmen befürchten zunehmend die potenziellen Auswirkungen der Gerichtsbarkeit über Ländergrenzen hinweg, wie beispielsweise des US-amerikanischen CLOUD Act, insbesondere wenn sie auf Software außereuropäischer Anbieter angewiesen sind. Gleichzeitig wird Regulierung oft noch immer defensiv angegangen, anstatt als Rahmen für die Modernisierung kritischer digitaler Prozesse und die Stärkung der Kontrolle über die digitale Infrastruktur genutzt zu werden.

Regulierung als Grundlage

Europäische Regulierungsrahmen wie die DSGVO, eID AS und NIS2 bilden bereits eine solide Grundlage für digital souveräne Systeme, wenn sie pragmatisch angewendet werden. „In den nächsten Jahren wird der Fortschritt voraussichtlich schrittweise erfolgen, getrieben von sich weiterentwickelnden Regulierungen und einem wachsenden Bewusstsein für digitale Risiken. Initiativen wie die Entwicklung der Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet signalisieren diesen Wandel bereits. Längerfristig wird digitale Souveränität zunehmend zu einer Grundvoraussetzung werden, die in Beschaffungsentscheidungen und Systemdesign einfließt“, erläutert Erhard Wiese. Für Organisationen, die auf digitale Plattformen angewiesen sind, um kritische Geschäftsprozesse abzuwickeln, ist die Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Vertrauensmechanismen daher unerlässlich für Sicherheit, Compliance und langfristige Resilienz.

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